Coming-out: Wir zählen Katzen!

Abendvelotour auf den Bodenberg, 39 Katzen, die letzte war weiss mit einem dunkeln Fleck auf dem Kopf und einem schwarzen Schwanz. Eine Art Mönch, finden wir.

Ein paar Beispiele

Dann waren da noch zwei Tricoloren, eine davon hat sich das Hinterteil geleckt, die andere hockte auf einem abgemähten Feld und starrte in ein Loch. Tiger auf Fensterbank – immer sehr dekorativ, heimelig, dazu drei junge Büsis, die auf dem Treppenabsatz herumwuseln. Schwarze wirken umwerfend gut in halbhohem Gras. Vom Röteli haben wir eigentlich nur noch den Schwanz gesehen, als sie ins Maisfeld verschwand. Ist aber eindeutig eine Katze gewesen, darf und soll also gezählt werden.

Wir zählen Katzen – andere jetzt auch

Genau. Fredu und ich zählen Katzen, wenn wir mit dem Velo oder zu Fuss unterwegs sind. Wir frönen seit vielen Jahren dieser Leidenschaft. Nun ist es raus, neudeutsch heisst das: Coming-out. Eine intime Sache, nur wenig Menschen wissen davon. Und, sie berichten, dass sie dies nun auch tun. Sie können nicht mehr davon lassen. Sie zählen unweigerlich diese Spitzohrtiere, selbst Heinz, der Katzen gar nicht mag, zählt sie und das nicht ungern – Sibylle hilft mit.

Warnung – Ansteckungsgefahr

Ihr seid nun gewarnt. Katzenzählen ist sehr ansteckend, jedoch nicht schmerzhaft wie andere Seuchen. Ueli zählt sie, Ruedi vielleicht, Brigitte offensichtlich auch und wahrscheinlich zwei fremde, junge Frauen, denen wir in 3 Minuten davon erzählt haben, ebenfalls. Letztere zeigten einen wachen, verständigen Geist, indem sie eine zentrale Frage stellten: Zählt ihr die eigene Katze auch? – Nein, und damit kommen wir zu den Regeln, die es einfach braucht.

Regeln

  • Die eigene Katze darf nicht gezählt werden, tote Miezen auch nicht.
  • Wir zählen entdeckte Katzen. Es kann also sein, dass man dadurch eine zweimal zählt, auf dem Hin- und Rückweg.
  • Sind wir auf Besuch, kann die Katze der Gastgeber_in gerechnet werden, jedoch nur  einmal. Das heisst, als wir diese Woche bei Jürg und Gabi waren, haben wir Lotta, die schöne Tigerlady, einmal gerechnet, obwohl sie ständig verschwand und wieder auftauchte.
  • Wenn man glaubt, eine Katze gesehen zu haben, kann man umkehren und nachschauen. Bei Unsicherheit darf strikte nicht gezählt werden, denn: Es könnte eine Kabelrolle, eine Krähe oder ein Bussard gewesen sein, beim Eindunkeln sogar ein Graureiher.
  • Wenn nur ich oder Fredu eine entdeckt, kann diese gezählt werden. Allerdings sind wir bemüht, sie vom anderen verifizieren zu lassen. Wenn wir Gäste haben, werden diese gleichberechtigt einbezogen.
  • Man zählt laut und deutlich, damit alle, die mit uns unterwegs sind, informiert sind und die Fehlerquote beim Zählen verringert werden kann.
  • Fredu schreibt abends die finale Anzahl Katzen in eine Agenda. Ich besorge die Agenda jeweils Ende Jahr. Es ist jene Sorte, die meine Mutter uns jeweils geschenkt hat – sehr schön, etwas teuer vielleicht, mit Naturzeichnungen.
  • An Tagen, an denen ich nordisch walke und Fredu mit dem Velo unterwegs ist, zählen wir getrennt und rechnen abends zusammen – Hauptsache, wir sind aus eigener Kraft unterwegs.
  • Beim Auto- oder Zugfahren kann gezählt werden. Aufgeschrieben werden diese Katzen jedoch nicht. Ist einfach so hobbymässig möglich.
  • Kommt man heim, wie kürzlich und einen fremde Katze ist im eigenen Garten, kann diese gezählt werden. Vorgestern machte eine gelbweisse so das zweite Duzend voll. So etwas macht Freude.
  • Wenn wir eine Schlussanzahl nicht mögen, dürfen wir eine Ehrenrunde machen, um zum Beispiel auf 25 statt 23 Tiere zu kommen. Obwohl eine Primzahl auch immer ihren Reiz hat. Ist oft stimmungsabhängig.

Warum zählen wir Katzen?

Keine Ahnung, wann wir damit angefangen haben. Es hat sich halt so ergeben. Ich weiss nur, seit wann wir sie aufschreiben und manchmal auch in Katzen pro Kilometer umrechnen: 1.5 Katzen pro Kilometer! Wir lachen soviel, wenn wir Katzen zählen. So sage ich zum Beispiel: Dort, sehr schön, dreifarbig gehalten, elegante Pose. Sprachlich geben wir uns echt Mühe, Gesehenes mit handverlesenen Worten zu beschreiben.

Katzenzählen macht einfach Spass und schärft die Aufmerksamkeit. Der Blick schweift suchend über Felder, Wälder und Orte. So entdecken und sehen wir weit mehr als Katzen.

Gesammeltes Wissen

Mit der Zeit weiss man, wo Katzen wann zu erwarten sind. Es gibt Höfe, da hat es seit Jahren nie welche – arme Leute! Morgens hat es in der Regel keine. Aber, kürzlich fuhren wir morgens bei strömendem Regen mit Auto ins Seetal und zählten 9 Katzen. Die meisten hocken auf abgemähten Felder und starrten gespannt in Mauselöcher. Eine fing gerade ihr graupelziges Frühstück, als wir vorbeifuhren. Warum jagen sie morgens im Regen? – Sie hätten Hunger, meinte Fredu und ich: Haben sie den morgens, wenn es heiss und trocken ist keinen Hunger? Man weiss nicht, warum sie das tun.

Ab 17.00 Uhr kommen sie raus, die Faulpelze. Sie sind ja nachtaktiv. Sie lümmeln lässig herum, schlecken ihr Fell, liegen auf Knien von älteren Menschen vor Häusern, huschen über Strassen, rollen sich in Blumenrabatten herum, die Jüngeren gappen, sie scheissen in weiche Erde, spazieren hochmütig über Mauern, liegen auf oder unter Autos, Heuwagen, Traktoren. Man findet sie in Geranienkistchen, auf Balkonbrüstungen und wenn der Bauer melkt, schleichen sie um die Kuhställe herum, oft in Gruppen. Das ist toll, man kann da bis zu 10 Tiere auf einen Chlapf zählen, gut für die Statistik.

Ab 19.00 Uhr sind sie bereit für die Nacht, begeben sich auf die Felder und schleichen, so dass man oft nur ihre Ohren im Gras sieht. Sie geben sich dann wild und gefährlich, zeigen, dass sie Raubtiere, neuerdings Beutegreifer genannt, sind.

Ich höre jetzt auf

Blogbeiträge sollten nicht zu lange sein. Darum höre ich jetzt auf. Ich könnte ein Buch unsere Erfahrungen und Erlebnisse beim Zählen der Katzen machen. Am besten ist, ihr probiert es mal selber! Gerne dürft ihr in diesem Blog kommentieren, wie es euch damit ergeht.

Fazit zum Katzenzählen

Man kann sie noch so viel beobachten, schlussendlich weiss man doch nie, warum sie was wann machen. Man kann Regelmässigkeiten finden oder sehen, dass es bei einem bestimmten Hof vor allem Tiger hat und 3 Jahre später schwarze Katzen. Vielleicht hat hat dort ein neuer Kater Einzug gehalten, …. fertig jetzt! Schaut selber, wie es tut.

Noch was

Sicherheit hat Vorrang. Lieber auf ein erfasstes Exemplar verzichten, als den Hals zu verrenken und in einen Strassengraben zu fahren, einen Baum zu rammen oder Kopf voran in einem Misthaufen zu landen. Einfach gelassen bleiben, wie es uns die Büsis vorleben.

Schreibe einen Kommentar