Sonntagsausflug klassisch

Sonntagsauflug klassisch, eine meiner Geschichten, hat es in die Dokumentation Fokus Linn geschafft, auf Seite 29. Ich bin richtig stolz darauf.

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Die Erkenntnis kam in Morcote

Gestern war ich den dritten Tag in den Ferien und habe per gemeinsam geführtem Journal erfahren, dass meinem Bruder gelungen ist, was ich bis anhin nicht geschafft habe. Meine Mutter hat einen Schritt gewagt, den sie vor Monaten partout nicht machen wollte.

Der Erleichterung und Freude, dass sie diese Hilfe angenommen hat, folgte sofort ein komisches Gefühl. Eines von der Sorte, das nicht sein sollte und das ich gar nicht gerne mit mir in Zusammenhang bringe.

Eifersucht darauf, dass er es geschafft hat? Nie, das ist idiotisch. Es geht doch um die Sache, um das Wohl meiner Mutter, meines Vaters. Doch, ich habe es gut gemacht, meine Vorarbeit führte zu dieser Wendung, rede ich mir beschwörend zu.

Dann schaue ich mir einen Film an und gehe ins Bett, um morgens mit einem beklommenen Gefühl aufzuwachen. Die ganze Nacht habe irgendwie von meiner Ursprungsfamilie geträumt. Griesgrämig begegne ich dem sonnigen Tag.

Mein Liebster und ich satteln die Pferde, sprich machen die Velos bereit und fahren ins Tal nach Caslano. Ich kann es nicht loslassen, dieses diffuse Gefühl, das ich nicht haben möchte. In Agno denkt es wie wild. In Carabietta meint mein Liebster strahlend, es sei doch wunderbar hier zu sein und um die vielen Arme des Lago di Lugano zu fahren.

Mich wurmt es immer noch. In Figino meint er, ich sei ziemlich schnell unterwegs, wir wollten es doch gemütlich nehmen, oder?

Vedo und dann ums Eck und da liegt Morcote in seiner ganzen Pracht. Eine neue Aussicht eröffnet sich und ich beginne zu begreifen.

Ich will es gut machen, ich will nicht versagen, ich will es perfekt machen, zuverlässig, gut organisiert sein, ich will es allen recht machen – ich fühle wie das Kind damals. Es ist mir wahnsinnig wichtig, gut da zu stehen und meine Aufgaben, die Selbsterlegten und jene, die, ich glaube erledigen zu müssen und auch die, die ich tatsächlich inne habe, einfach gut zu machen oder besser, besser als alle.

Ich muss so gut sein, dass ich unangreifbar und unverletzlich bin – uii, da kommen mir die die Nibelungen in den Sinn! Die Sage von Siegfried, dem Helden, der im Blut des von ihm erlegten Drachen badet und dadurch unverletzbar wird, bis auf den Ort zwischen seinen Schultern, wo ein Lindenblatt hingefallen ist. Ausgerechnet ein Lindenblatt, mein Lieblingsbaum. Ich konnte in der fünften Klasse nie genug bekommen von dieser Geschichte.

Heute denke ich, dass Siegfried wahrscheinlich unausstehlich war in seinem Heldentum. Ich bin es jedenfalls, wenn ich auf Heldin mache. Ja, ich merke es selber, ja, ich höre es auch, wenn man es mir sagt, obwohl ich mich dagegen sträube. Man muss ja nicht auch noch entzückt sein, wenn man ertappt wird, oder?

Eigentlich möchte ich einfach nicht gedemütigt, ausgelacht und verletzt zu werden! Voilà! Das ist es. Haha, wer will das schon! Mir geht es trotz der Banalität der Erkenntnis und obwohl ich all das eigentlich schon lange weiss, nahe. Es hat eine andere Tiefe, jetzt, wo all die Protagonisten von damals, wieder im Spiel sind: Die Brüder, Vater, Mutter und ich! Ich erlebe eine Art Katharsis, indem das Dramatische des eigenen Lebens noch einmal ganz existenziell gefühlt werden kann.

Die Nächsten, die ins Alter kommen, sind wir. Ein guter Grund, sich noch einmal verunsichern zu lassen, um gut gerüstet zu sein!

Jedenfalls ist der feine Kaffee in Morcote ausgetrunken und die Fahrt geht weiter. Ich sage meinem Liebsten kein Wort über meine Gedanken. Ich lache aber wieder, drossle mein Tempo und in Vico Morcote bin ich wieder ganz  im Erwachsenen-Ich-Zustand.

Auf dem Damm von Melide geniesse ich schöne Erinnerungen an Familienferien auf dem Campingplatz von Maroggia. Was danach kommt, ist unbekannt. Riva San Vitale, Brusio Arsizio, Ponto Ceresio, Brusimpiano, Ponte Tresa, ….. Caslano mit Gelati, Novaggio.

Ich will es allen recht machen – so hätte ich mich bis heute nie beschrieben! Ich will es allen recht machen, damit man mir nichts antut, damit ich die Kontrolle habe über Dinge, die man gar nicht kontrollieren kann.


P.S. Warum eine Mutter besser ihrem Sohn gehorcht, als auf die Tochter hört, erzähle ich ein anderes mal. Meine Mutter hat mir dies nämlich heute Abend am Telefon erklärt!

Donnerstag, 2. Oktober 2014

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