Ja, wie meine Mutter bin ich

Es ist unglaublich. Kaum bin ich vor dem Haus, zupfe ich Gras und Zeugs aus dem Kies, schaue nach meinen Salaten, Rösliköhls, den Himbeeren, Kürbissetzlingen, nasche eine Erbeere, schneide ein paar Zweige der Rebe zurück. Es kann sein, dass ich die Post im Briefkasten holen gehe, diese hinlege und erst eine Stunde später wieder ins Haus komme – die Post noch draussen auf dem Blechtischchen.

Wie meine Mutter. Ich höre sie fast lachen, dort oben im Himmel, wo sie jetzt ist, was ich natürlich nicht glaube. Trotzdem, ich schaue nach oben, wenn ich sie lachen zu höre. Ich kann es nicht lassen, ich schaue in den Himmel und lache zurück. Manchmal richte ich ein paar Worte an sie, fuchtle mit den Armen, zeige ihr ein Blume oder ein Unkraut, von welchem ich überzeugt bin, dass ich es durch ihre Setzlinge eingeführt habe. Sie glaubte das nicht, sondern war sicher, dass es umgekehrt gewesen sei, ich habe ihren Garten mit meinen Unkräutern verseucht. Jetzt, wo sie eben im Himmel ist, verehre ich diese Unkräuter, reisse sie nur halbherzig aus. Irgendwie sind sie ja schön und überhaupt, ich habe herausgefunden, dass man sie essen kann.

Nächstes Jahr werde ich sie in den Salat mischen. Dieses Jahr hatte ich sie schon gebodigt, als ich ihren wahren Wert erkannte. Es ist das Scharbockskraut und es kommt bestimmt wieder.

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