Meine Zeit mit Bouillon

Wie ein Fuss, der einem Schuhlöffel entlang in einen Schuh gleitet, bin ich in meine gewollte Erwerbslosigkeit, im Volksmund Frühpensionierung, gerutscht. Der Schuh passt wie angegossen. Das ist richtig schön.

Jemand hat gesagt, dass es sich jetzt sicher noch wie Ferien anfühlt. Dem ist nicht so. Ferien bedingen einen Erwerb. Sie dienen, das steht im Obligationenrecht, der Erholung von der Arbeit.

Meine Zeit dient nicht mehr. Sie ist einfach da und wartet darauf, dass ich sie nutze, etwas mit ihr mache und: Es ist nicht möglich, nichts mit der Zeit zu machen, denn nichts ist auch etwas und zwar nicht das Sinnloseste. Lieb, rutscht sie immer nach, die Zeit. Das ist toll. Es hat immer davon.

In den ersten 10 Tagen der erwerbslosen Zeit – meine Zeit verdient kein Geld mehr – habe ich viel gearbeitet und zwar mit Schweiss in meinem Angesicht. So heisst war es, dass ich beim Wegwischen des Schweisses mein linkes Ohrgehänge verloren habe. Im Gras, in der Erde, auf dem Weg, im Kies? Ich weiss es nicht. Ich werde es einmal finden, dieses Ding aus Weissgold, Morgen, in einem Jahr, wenn ich 80ig bin, keine Ahnung. Ist auch egal. In vielen Jahren werde ich vermutlich auf dieselbe Art und Weise ein Hörgerät verlieren, hoffentlich im Garten, während ich Tomaten pflanze oder ein Blumenbeet jäte. Das wäre schön. Ein Hörgerät beim Krampfen verlieren, nicht im Bett oder auf einem Sessel.

Jetzt ist es kalt geworden. Es regnet. Die zweite Woche meiner Frühpensionierung hat begonnen.

P.S. Heute habe das neue Plantex angefangen. Dieses habe ich noch in Aarau gekauft, am Tag, an welchem ich mein Büro geräumt hatte. Niemand war da, an diesem Tag, alle hockten im Home Office. Leider verkauft mein Bioladen hier kein Plantex mehr.

Noch was: Während meiner bezahlten Arbeit habe ich nie ein Ohrgehänge verloren. Ab jetzt gehe ich ohne solchen Zierrat in den Garten, sonst bin ich bald schmucklos.

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