Tout un hiver sans chat!

Heute war es besonders schwer. Draussen kalt, unwirtlich. Die ersten Anzeichen des Frühlings dahin, die brasilianische Virusvariante im Land und der SAC, der nun auch die hohle Hand macht. Betonieren auf unserer Baustelle unmöglich – zu kalt die kommenden Tage, verdammi nomol. Zu allem Elend hin habe ich auch keinen Termin bei der Coiffeuse bekommen.

So ein deprimierender Tag und: Keine Katze, keinen Schmusetiger mit weisser Schwanzspitze, kein Büsi auf der rechten Stuhllehne.

Es ist schon verrückt, wie sehr er fehlt. Morgens, wenn ich runter komme – Leere. Niemand der mir in die Quere kommt oder miauend auf dem Fenstersims auf Einlass wartet. Keine Futtertänze, keine Schwanzspitze, die fast in den Kaffee taucht. Meine Hände können nirgends parkiert werden, finden keinen Wühlplatz in einem wohlduftenden Pelz.

Manchmal, wenn ich kochte, las oder mit dem iPad rummachte, fühlte ich plötzlich seinen Blick auf mir. Er beobachtete uns, als wären wir Vögel oder was weiss ich was. Oft auch abends, wenn wir Wein tranken, debattierten, Chips verschlangen. Er auf dem Sofa gegenüber, auf seinem Sofa, den Blick ruhig auf uns gerichtet. Was dachte er? Warum tut das eine Katze? Es gab nie eine Antwort, er tat es einfach, immer wieder und es fehlt mir so.

Er wollte immer meine Sessel, die von Fredu verschmähte er. Ich musste oft meine Sitzgewohnheiten wechseln, weil er einfach hartnäckiger war, der Herr Musil, dieser herzallerliebste, Schnuggel.

Fast 17 Jahre lebte er mit uns. Ziemlich autonom. Ging ein und aus, war nahe aber nie zu nahe. Er legte sich zwischen uns, wenn wir auf dem Teppich herum lümmelten. Er setzte sich auf Stuhllehnen, spielte aktiv Triomino mit uns aber: Er kam praktisch nie auf unsere Knie! Insgesamt lag er vermutlich maximal 1 Stunde auf uns. Das war jeweils wie ein Wunder. Ich hörte auf zu atmen, rührte mich nicht mehr.

Musil, das war sein Kurzname. Er hiess eigentlich anders, nämlich: Lieutenant Frédéric le mignon de la Sarah! Diesem Namen liegt einer der vielen Geschichten zu Grunde, die wir mit ihm erlebt haben. So ein liebes Tier. So schöne Erinnerungen und eine grosse Dankbarkeit, dass er da war, ganz sich selber, immer, unkorumpierbar.

Ende 2020 erlitt er eine Thrombose. Er schrie, wie ich ihn noch nie gehört hatte, fiel vom Tisch. Es brach mir das Herz. Er bekam Schmerzmedikamente, Blutverdünner und drei Tage Zeit. Leider blieben seine Hinterläufe gelähmt und so haben wir ihn einschläfern lassen. Er auf dem Schragen zwischen unseren Händen und dann die Spritzen und die totale Entspannung.

Sei erster Besuch bei der Tierärztin war, weil er es nicht lassen konnte, mit Hornissen zu spielen. Mann, hatte der eine dicke Pfote. Trotzdem, er hat es wieder getan. Erst im Alter wurde er weiser.

Es gäbe soviel zu erzählen. Sicher ist eines, er war unser Freund, insbesondere der Freund von Fredu, dem er nie eine Tatze gab, im Gegensatz zu mir, die ab und zu einen Kratzer ab bekam.

6 Gedanken zu „Tout un hiver sans chat!“

  1. … schöne Zeilen, trauriger Abschied. Musil, so höre ich Alfreds Stimme, war wirklich Teil der, eurer Familie – wir vermissen auch den Kontakt mit euch.
    Liebe Grüsse
    aus dem Land der früh untergehenden Sonne 😉
    Chris & Monika

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  2. 13. Februar 2021 um 20.37

    Ein liebevoller Nekrolog auf ein liebenswürdiges Wesen, welches auch uns viel Freude und frohe Stunden beschert hat.
    Musil war es wert in so liebevoller Erinnerung zu bleiben, und ihm für sein Dasein zu danken.
    Liebe Grüsse
    Aus der CHILCHLIMATTE

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  3. So ein schönes Foto. So berührend die Geschichte. Ich denke an euch wenn unsere Kali Einlass einfordert. Ich stehe auf und lasse sie rein. Freude dass sie heimkommt.
    Wünsche dir Trost !
    liebe Grüsse
    Linda

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    • Danke, liebe Linda.
      Ich habe eine Wildkamera aufgestellt und siehe da, wir werden nachts von Hasen und Füchsen besucht. Vor allem dass wir Hasen etwas zu bieten haben, freut mich sehr. Ich schaue gerne raus und denke: Bei uns leben Hasen! Wau. … und irgendeinmal dann auch wieder Katzen.

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