Team Suchtpravention Aargau

Es war nicht traurig – warum sollte es?

Der Lockdown war für mich ein guter, unvergesslicher Einstieg in die Frühpensionierung. Im Home Office habe ich mich sachte von meinem Team entwöhnt. Um 06.00 auf, eine halbe Stunde später am PC. Insgesamt 11 Arbeitszeugnisse geschrieben, ebensoviele Abschlussgespräche per MS Teams geführt und hunderte alter Dateien gelöscht. Ab 15.00 Uhr jeweils ab in die Sonne, das Wetter war ja super und social distancing auf dem Land easy.

Wem immer ich hier, in meinem Nahraum, auf Distanz begegne, alle sagen: Es war sicher traurig für dich, dass kein richtiger Abschied mit deinem Team möglich war. Ja, ich war schon traurig, bis genau am 30. April kurz vor 09.00 Uhr, als ich die Tür zu meiner Arbeitsstelle öffnete, um meine Schlüssel abzugeben.

Der Anblick, der sich mir bot, war umwerfend: Das ganze Team war da. Alle hingen in gelben Latzhosen von den Gestellen. Die Hosensäcke waren voller feiner Sachen, ganz nach meinem Geschmack: Schoggi, Guezli und die kleinen Schüttelbrote, die so laut knacken beim Mampfen, nicht zu vergessen der Spanische Orangen Tee. Nach so vielen gemeinsam verbrachten Pausen, weiss man, wer was besonders mag.

Teamfoto mit mir!

Christoph, der Mediothekar, empfing mich in Fleisch und Blut. Er geleitete mich zu seinem Notebook, wo das Restteam auf Zoom auf mich wartete. Mark und Monika waren ebenfalls vor Ort und um mein leibliches und seelisches Wohl besorgt.

Ich habe mit allen gelacht, geplaudert, Kaffee getrunken. Es spielte keine Rolle, ob online oder offline. Wir haben uns von den Umständen nicht stören lassen, so wie wir all die Jahre gelassen und ideenreich mit Störungen umgegangen sind. Grossartig!

Zwar brachte mich mein Team nicht wie geplant mit dem Zug heim, in den gelben Latzhosen, wie ich später erfuhr. Es gab auch keine Sause aber: Der Abschied fand statt, er war lustig, berührend, etwas sentimental und ich wurde mit einem eigenen Podcast gewürdigt. Wenn ich daran denke, hüpft mein Herz.

Ich habe mich immer wieder schalkhaft dafür stark gemacht, dass wir alle in gelben Latzhosen referieren und moderieren sollten. Ich wusste es, wir hätten wunderbar ausgesehen. Man hätte uns immer wieder erkannt. Die Suchtprävention Aargau, die mit den gelben Latzhosen, die, die ihr Handwerk verstehen.

Nun, die Latzhosen sind nicht nötig. Die Mitarbeiter_innen der Suchtprävention Aargau werden auch so immer wieder erkannt. Es sind die, die so kreative, anschauliche Flipchards zeichnen, die, die so spannend referieren und souverän moderieren, die, die so umgänglich und unkompliziert sind. Warum sollte mit einem solchen Team der Abschied traurig sein?

Ein Gedanke zu „Es war nicht traurig – warum sollte es?“

  1. Schön zu lesen! Es ging mir auch so – kein Lamenti des Unmöglichen – ein Fest der Möglichkeiten! Wie so oft bei uns… zurückschauen und lernen und mit allem Gelernten weiter vorwärts marsch… das isch Musig!

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