Die Ich-Zustände und die anderen

Es gibt Zeiten im Leben, die bewirken, dass mir bewusst wird, was ich weiss. In den vergangenen Tagen habe ich mich mit der Transaktionsanalyse befasst. Ende Neunzigerjahre gab ich öfters Kurse dazu und bis heute nutze ich sie gelegentlich in Supervisionen und Beratungen. Ein tolles Modell mit grosser Einleuchtungskraft und sofortiger Wirkung, wenn man es im richtigen Moment präsent hat. Wenn nicht, ist es nicht so schlimm, weil man nachträglich eine schwierige Situation damit analysieren kann. Dies führt zu Selbsterkenntnis, was ja beileibe nicht schadet.

Eric Berne, der die Transaktionsanalyse (TA) entwickelt hat, geht von drei Ich-Zuständen aus.

 Das Eltern-Ich (EL)

Wer in bestimmten Situationen denkt, handelt und fühlt, wie ein Vater oder eine Mutter, befindet sich in seinem oder ihrem Eltern-Ich-Zustand. Meist orientiert man sich dabei in der Art und Weise, am Vorbild der eigenen Eltern. Im Eltern-Ich-Zustand weiss man, was für andere gut ist. Diesem Ich-Zustand werden zwei Seiten zugeschrieben: Die Fürsorgliche und die Kritische.

Das Erwachsenen-Ich (ER)

Im Erwachsenen-Ich-Zustand kommuniziert man auf Augenhöhe. Man teilt sich mit, stellt Fragen, um Situationen besser zu verstehen, sucht gemeinsam nach Lösungen, ist offen für abweichende Meinungen. Man zieht eigene Schlüsse unter Einbezug aller Aspekte, die einem wichtig sind und trifft seine Entscheide. Im Erwachsenen-Ich-Zustand übernimmt man Verantwortung für sich, seine Gefühle, Handlungen und Gedanken.

Das Kinder-Ich (K)

Der Kind-Ich-Zustand wird in drei Reaktionsvarianten aufgeteilt: Das angepasste Kind, das freie Kind und das rebellische Kind. Wer sich im Kind-Ich-Zustand befindet, fühlt, denkt und verhält sich ähnlich, wie damals als Kind.


Für alle diese Zustände gibt es typische Sätze, Körperhaltungen und Stimmlagen. Es braucht nicht einmal ein geübtes Ohr, um an der Stimme herauszufinden, ob sich eine Person gerade im Eltern-Ich-Fürsorge oder Eltern-Ich-Kritik befindet. Das gleiche gilt auch für die andern Ich-Zustände.

Es kann sogar sein, das der formal gleiche Satz total Unterschiedliches auslöst. Es kommt darauf an, aus welchem Ich-Zustand er gesprochen wird und aus welchem Ich-Zustand heraus er gehört wird.

Ihr ahnt es schon. Wenn sich zwei Menschen begegnen, treffen sie sich aus unterschiedlichen Ich-Zuständen heraus. Bei weitem sind es nicht immer die Erwachsenen-Ichs, die miteinander sprechen, auch wenn die Leute erwachsen aussehen.

Mein jüngerer Bruder und ich haben uns gestern zum Mittagessen getroffen. Wir hatten uns einige Tage zuvor ziemlich in die Haare gekriegt. Wir haben festgestellt, dass wir eigentlich sehr cool sind, es sei denn, wir werden getriggert. Ein Trigger ist ein Schlüsselreiz, habe ich soeben in der Wiki gelesen. Früher sagte man eher: sich auf den Schwanz treten!

Ein riesiges Spielfeld tut sich auf. Spricht mein Bruder mich mit kritischer EL Stimme an, reagiere ich gerne mit dem rebellischen Kind (umgekehrt auch, würde ich sagen). Reden wir fürsorglich mit unserer Mutter, weil wir natürlich genau wissen, was jetzt für sie gut wäre, bekommen wir einen Cocktail an Reaktionen.

Ich analysiere missratene Situation jeweils mit dem oben beschriebenen Modell und nehme mir vor, das nächste mal schön im Erwachsenen-Ich-Zustand zu bleiben! Manchmal geht es sogar und das ist  löst meistens eine konstruktive Wende aus. Aber eben, manchmal. Der Weg ist noch weit, die Spielvarianten unendlich.

Donnerstag, 25. September 2014

Clownin denkt nach über: Wie kann die Themenzentrierte Integration (TZI) in den Alltag integriert werden kann?

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