Jasmin und die Trompete

Soeben bin ich an einer Jasmintrompete vorbeigefahren mit dem Zug. Zuerst wusste ich den Namen nicht mehr, denn ich kenne diese Pflanze erst seit dem zweiten Besuch bei der Katze.

Jasmin trompetet! Ich kenne eine Jasmin. Sie ist die Schwester der kleinen Aster. Ihre Katze heisst Köbeli. Früher schlief er gerne im Brünneli im Badezimmer der Familie, hat mir Mark erzählt. Er wollte eigentlich den Köbeli nicht, weil er ahnte, dass er sich schlussendlich um ihn kümmern würde. Köbeli kümmert sich aber gerne um ihn, vor allem wenn er abends vor dem Fernseher entspannen will.

Eigentlich kenne ich Jasmin nicht so gut. Sie hat mir vor zwei Jahren eine sehr schöne Katzenzeichnung gemacht, die in meinem Büro an der Wand hängt. Sie hat uns auch schon im Büro besucht. Sie kann unheimlich gut und witzig diskutieren. Mann ist das ein schlagfertiges Mädchen!

Als sie mich einmal auf einer Velotour getroffen hat, wollte sie wissen, wie das ist, eine Chefin zu sein und warum Mark, ihr Papa, nicht der Chef sei.

Manchmal zeigt Mark Fotos von ihr. Sie sieht kühn und mutig aus, voll in Bewegung. Es gibt auch Bilder, wo sie einen verlorenen Blick hat, etwas Verträumtes, Verletzliches. Sie mag Geschichten und kümmert sich gut um ihre kleine Schwester. Sie bringt ihr bei, sich zu behaupten. Jasmin isst kein Fleisch, weil sie nicht will, dass man Tiere tötet.

Die Jasmintrompete passt zu ihr. Sie hat eine Stimme und eine eigene Meinung, die gehört werden will. Die Farben des Feuers stehen ihr und entsprechen ihrem Temperament. Sie ist ein Sommertyp, wie ich kürzlich an einer internen Stilberatung von Monika und Sue gelernt habe. Wenn Mark von Jasmin erzählt, fällt es nicht schwer, sie sich als wilde Kletterpflanze mit viel Blumen vorzustellen. Die Jasmintrompete rankt sich nämlich an allem empor, was sie vorfindet. Sie war von Bienen umschwirrt, sie scheint auch grosszügig zu sein und ich glaube, Jasmin ist das auch.

Ich werde nun wohl immer an sie denken, wenn ich an einer Jasmintrompete vorbei komme.  Insgeheim werde ich ihr wünschen, dass ihre Stimme immer mutig und kräftig bleibt und sie sich damit Gehör verschaffen kann, wenn sie dann mal Chefin ist!

Dienstag, 12. August 2014, 17.40 Uhr, zwischen Aarau und Olten

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