Kinder meiner Eltern – ich als die Frontfrau

Als meine Mutter vor Jahren damit anfing, dass sie möchte, dass ich einmal jene bin, die alles regelt, war ich voller Widerstände und wich aus. Ich sei die Tochter, meinte sie. Eine Mutter kann sich der Tochter besser anvertrauen als Brüdern.

Seit eh und je sind es die Töchter, die helfen, pflegen und vertrauenswürdig sind, heisst es! Wenn das nicht ein Grund für Widerstand ist! Ja, ok, ganz heimlich in mir, war es auch so etwas wie eine Ehre oder Anerkennung. Ich meine, ich habe es doch schon immer gewusst, dass ich wunderbar  und vertrauenswürdig bin!

Als diese Wünsche bei meiner Mutter Gestalt annahmen, engagierte sich einer meiner Brüder besonders stark für ihre Angelegenheiten. Überhaupt, die beiden Brüder, die in der Region leben, sind jederzeit für die Eltern da und das seit Jahren. Der Bruder in der Ferne ist auch da. Er gibt, was die Kinder in der Ferne geben können. Es ist meinst gar nicht nötig, dass alle herumweibeln. Meine Eltern haben es mit uns gut getroffen, sie haben mehr als eine Tochter!

Seit etwa einer Woche gilt es nun ernst. Der Vater ist gestürzt. Zum Glück ist nichts Schlimmes passiert. Seither sind aber unzählige Fragen aufgeflattert, die eine Antwort suchen. Entscheidungen, denen ich sehr gerne ausweichen möchte, müssen von uns allen gefällt werden. Um uns herum spriessen in allen Farben und Formen Emotionen.

Ich bin ab jetzt die Frontfrau. Der Bruder, der in der Ferne wohnt, hat mich so genannt, nachdem wir uns im April gut zwei Stunden lang alle Schande gesagt haben. Danach haben wir mit klaren Köpfen ein gutes Grundlagenpapier erarbeitet, das für alle Geschwister ok ist.

Hinter der Front, deren Frau ich bin, sind Geschichten. Diese beinhalten Verletzungen, Missverständnisse, Sehnsüchte, Wünsche nach Anerkennung, Sicherheitsbedürfnis, Unausgesprochenes, Resignation, Streit ..… Klar, es gibt auch viele schöne Erinnerungen. Zurzeit schlecken wir, die Kinder unserer Eltern, unsere Wunden! Wir sind vulnerabel!

Ich bin die Frontfrau der Geschwister und die Tochter meiner Mutter. Was der Mutter recht ist, ist es auch dem Vater.

Ich glaube, dass es gut kommt, weil wir alle das gleiche Ziel haben. Es ist zwar nicht so klar ausgesprochen, das Ziel, noch gibt es ein Konzept dazu. Für mich ist es jedoch in all unseren mehr oder weniger geschickten Suchbewegungen spürbar. Wir möchten alle gemeinsam an einer Geschichte schreiben, die Wunden heilen lässt.

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