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Luino ade

Heute wollte ich nach Luino. 09.01 Uhr ab mit dem Postauto nach Ponte Tresa, dann mit dem Bus nach Luino, Plazza della Libertà! Nein, ich wollte nicht eine Ledertasche kaufen. Das tun viele Frauen dort, höre ich seit Jahren. Ah, du warst in Luino? Hast du eine Ledertasche gekauft? Die sind dort total schön und billig. Mir sind Ledertaschen schlicht zu schwer, auch wenn sie wenig kosten.

Ich wollte einen Fotowalk machen. Wir hatten es am 1. Oktober 2014 schon versucht. Damals war mein Liebster noch da. Wir fuhren mit dem Auto hin. Der berühmte Markt war voll in Gange. Wir hatten nichts davon gewusst. Alles war voller Autos. Die Parkplätze waren besetzt. Irgendwie war das eine kribbelige Angelegenheit, voller wuselnder Menschen und ihren Fahrzeugen.

Ohne auszusteigen haben wir die Flucht ergriffen und sind zurück. Wir dachten, dass wir uns statt dessen gescheiter auf den Monte Lema seilbahnen lassen. Der Nebel war schneller. An der Talstation angekommen, war oben schon alles milchig weiss. Was nützt uns der Monte Lema ohne seine gigantische Aussicht, die uns angepriesen wurde?

In Miglieglia, wo die Talstation steht, sind wir dann herumspaziert und haben auf dem höchsten Punkt eine Kirche einem Friedhof vorgefunden. Ein sehr gesprächiger Friedhof war das. Alles andere als genormt und geordnet. Alte, krumme Gräber, Grabsteine die diesen Namen verdienen, überwachsen, voller Efeu, abgeschlagene Ecken, vergilbte Fotos, die soziale Hierarchie des Dorfes auch im Tod und über viele Jahrzehnte klar abgebildet.

Ermutigt durch diese Grabstätte, haben wir, aus dem ursprünglichen Tripp nach Luino, eine Friedhofsrundfahrt durch die Dörfer des Alto Malcantone gemacht.

Ich bin heute nicht nach Luino. Keine Plazza della Libertà, keine Ledertaschen, die will ich ja eh nicht!

Mein Bruder hat vor 09.00 Uhr angerufen. Er ist besorgt. Die Situation mit den Eltern wird schwieriger. Wir haben lange geredet und gemeinsam Entscheidungen getroffen. Das fühlte sich irgendwie wie Libertà an, einfach ohne Plazza. Es ist das richtige Leben, das da angeklopft hat. Das ist nicht billig zu kriegen, wie die Ledertaschen in Luino.

Ausserdem hat es, während wir telefoniert haben, angefangen zu regnen. Ich wäre nass geworden in Luino, weil ich aus Trotz geplant hatte, keinen Regenschutz mitzunehmen.

Ich glaube, ich werde, wenn es mal nicht regnet, heute den Friedhof von Novaggio, wo ich zurzeit den Maudi hüte, besuchen. Mal schauen, ob der mir auch Geschichten zu erzählen hat.

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Ich freue ich über eine Rückmeldung zu meiner Geschichte.

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