Zuckerhut, was ist das schon.
Zuckerhut ist ein Wintersalat, einer den man im Winter isst. Banal? Nein, für mich jedenfalls ist er mehr. Ich habe ihn in Schalen gesät, pikiert und am 9. Juli ausgepflanzt . Ich habe ihn gehegt und gepflegt: Wasser gegeben, mit Schneckenkragen umgeben und trotzdem Schnecken sammeln müssen, die ich dann tiefgefroren und später entsorgt habe.
Fast zu schnell und Mäuse
Ich war besorgt, als er schnell wuchs. Kann ich ihn dann für den Winter noch brauchen oder müssen wir ihn vorher essen? Ich habe immer wieder geschaut, ob es Mäuse hat. Zwei Zuckerhüte mussten wir tatsächlich notschlachten und vorzeitig essen, weil die Wurzeln angeknabbert waren. Sie kippen dann so auf die Seite.
Braun und gruusig
Dann, nach dem ersten Frost, habe ich sie geerntet und in Zeitungspapier gerollt. Zuerst lagerten sie in einer Holzkiste, später dann in einer Styroporbox. Jedesmal, wenn ich einen Zuckerhut auf dem Keller hole, denke ich, der ist hinüber. Die Blätter aussen sind braun, schmierig, gruusig. Ich schneide das Gröbste noch draussen auf dem Güllenloch weg.
Gelb und grün, Seelenfutter
In der Küche rüste ich ihn dann weiter. Die Blätter werden immer schöner, leuchten gelb und grün. Banal? Nicht für mich und Fredu. Wir staunen und freuen uns, da steckt soviel Sonne und Leben drin und das dürfen wir essen. Er wird ein Teil von mir, der Zuckerhut, so wie meine Arbeit und Zuwendung ein Teil von ihm war. In solchen Momenten weiss ich genau, warum ich nicht wochenlang während der Vegetationszeit in die Ferne reise. Das Gute kann tatsächlich so nah sein. Zuckerhut für die Seele. Ich bin ein Glückspilz mit so einem Garten.