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Ich und die Trychler von Schenkon

Chlausmärt in Sursee…

… da gehen Fredu und ich jedes Jahr hin. Nicht immer zusammen, wie heute, dafür immer mit einer Kamera – wie heute, ich allein mit meiner Sony mit dem langen Teleobjektiv.

Alles wie immer

Es ist immer dasselbe. Das weiss ich. Das muss so sein. Das gibt uns Halt und Sicherheit. Man fühlt sich daheim, aufgehoben. Mit der Kamera in der Hand kann es reizvoll sein, im immer Gleichen die Finessen und Unterschiede finden. Heute fällt mir das schwer: Seit Jahren hängt immer ein Schaf beim Stand mit Zeugs aus Schaf, beim Volksmusikstand werden Ländler gespielt – wie immer, es riecht nach heissen Marronis, Würsten, Kaffee mit und ohne – wie immer. Es hat so viele Leute, die aussehen, wie jene, die ich schon in den letzten Jahren hier gesehen habe.

Die Schönheit der Landmaschinen

Langeweile kommt auf. Ich beginne, Details von Landmaschinen zu fotografieren und entdecke, dass nicht nur die alten Bührer Traktoren sexy sind. Die neuen Modelle sind gross, gucken grimmig, haben aber durchaus hübsche Lampen und viele toll angeordnete farbige Knöpfe und Hebel.

Wo ist Ruben?

Nach den Traktoren tauche ich noch einmal in die Menge. Bin zerknirscht, weil ich den Umzug mit den Trychlern verpasst habe. Ich spüre die Klänge jeweils im ganzen Körper, sie bringen die Bandscheiben und Lungen in Schwingung – einfach toll. Aber eben, für’s Erste verpasst, ebenso Ruben, den ich oft treffe an diesem Markt. Und dann entdecke ich ihn doch, mit weisser Kutte und roter Mütze – mein ödes Dasein hat ein Ende!

Leben kommt in mich

Hallo hallo, sagt Ruben und sowas wie: Oh du hast die Kamera. Unser Fotograf kommt nicht, er muss eine Wohnung anschauen gehen. Du könntest doch das Foto der Trychler auf der Treppe vor der Kirche machen?

Sicher, gern, meine Anwesenheit am Chlaumärt bekommt deutlich eine Richtung, einen Sinn, einen Reiz. In sieben Minuten bei der Treppe vor der Kirche und Ruben fragt den Präsidenten, ob das passt. Beschwingt und endlich zielstrebig mache ich mich auf den Weg zur Treppe, zu „meinen“ Trychlern! So schnell entsteht eine Verbindung, wo zuvor kaum eine war! Ich grüble auf dem Weg mein ganzes Fotowissen aus der Tiefe meines Gehirns herauf – irgendwo zwischen Gedanken um Haus und Hof, Akkordeon, jodeln, Statusbilder und Ukulele. Genau, den Rahmen bestimmen, auf das Licht achten und die Hintergründe, sowie schauen, dass alle im Bild sind und laute Anweisungen geben, was zu tun ist.

Sie wissen, was zu tun ist

Es stellt sich heraus, dass die Trychler von Schenkon genau wissen, wie sich aufstellen. Für sie ist es nicht das erste mal – für mich schon. Also, ich meine nicht, Gruppen fotografieren oder Veranstaltungen nein, das erste mal eine Gruppe Trychler vor der Kamera haben und erst noch die von Schenkon, wie ich – unsere Trychler, das heisst, auch ein bisschen meine Trychler.

Beflügelt heimwärts mit Superstory

Ich habe die Bilder gemacht, dazu zwei Filmchen mit dem Handy. Noch ein Foto vom Vorstand, dann hat sich die Gruppe aufgelöst.

Ich bekomme herzlichen Dank und einen warmen Händedruck. Ich realisiere, dass ich mehr Trychler kenne, als ich gedacht hätte. Einige seit ihrer frühen Kindheit, andere aus handwerklichen Kontexten oder in Zusammenhang mit Kommissionen. Das ist schön, das fühlt sich gut an. Verbindungen, lose zwar aber wertvoll, weil sie ein Stück zur Verwurzelung beitragen und das in einer Zeit, wo viele Menschen gewaltsam entwurzelt werden.

Komme mit Superstory heim – lautet meine SMS an Fredu, als ich mich auf den Heimweg mache.

Ich freue ich über eine Rückmeldung zu meiner Geschichte.

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