Was eine Gartencoach zu berichten hat
Wiesen-Margeriten: Jedes Kind kennt sie. Habt Ihr gewusst, dass unzählige Insekten von ihr leben? Sie ist ein reichhaltiges Buffet für Wildbienen, Schmetterlinge, Schwebefliegen, Hummeln und Käfer. Es lohnt sich ich, ihr im Garten einen Platz zu geben und ihr diesen zu lassen, bis sie verblüht. In jeder Lebensphase ist sie für die Insekten wichtig – die Margerite.
BERICHT EINES KOSTENLOSEN G(A)RTEN-COACHINGS AUF DEM TANNBERG, geführt von Roger Eggenschwiler, begleitet und dokumentiert von Marianne Steiner
Blumen- und Gras
Die Besichtigung des Umschwungs von Robert Muri in Tann begann mit den Margeriten auf einem Blätz ungemähter Wiese. Früher sagte man, das sei eine ungepflegte Ecke, heute ist klar, dieses Stück Land ist ökologisch wertvoll, nicht nur wegen den Margeriten. Es ist die Vielfalt der Pflanzen, die es ausmacht: Blühende Gräser, Witwenblumen, wilde Rüebli, Schafgarben, Kleearten, Wiesensalbei, Flockenblumen.
Ruderalflur mit Wildstauden
Ein paar Schritte weiter wächst es nur spärlich: Eine Kamille, Gräser, Hornklee. Da stand früher ein Container, berichtet Robert Muri. Der Boden ist karg. Ideal für eine Ruderalfläche mit Pionierpflanzen, wie sie in Kiesgruben wachsen. Diese Fläche kann mit Wandkies oder Grubensand aufgewertet und mit Wildstauden bepflanzt werden: Weidenblättriges Ochsenauge, FeldThymian, Natternkopf, wilde Karde, Muskateller Salbei. Die Samen dazu lassen sich gut in der Umgebung oder anderen naturnahen Gärten finden – fragen kostet nichts. Die Chance für einen spannenden Erfahrungsaustausch ist gross.

Totholz und Sandarium
Hinter der Bushaltestelle Tann lagert Robert Muri Wurzelstöcke und Baumstämme, die am Verrotten sind.
Wunderbar! Ja nicht wegräumen. Totholz ist ein wichtiger Lebensraum. Die blaue Holzbiene zum Beispiel bohrt sich Löcher ins Holz und lebt dann dort. In Bienensand und Steinen eingegrabenes Totholz (stehend) ist bei Wildbienen sehr beliebt, da es schnell abtrocknet. So eine Anlage nennt sich Sandarium und würde hier sehr gut passen. Weiter könnten die Wurzelstöcke bepflanzt werden. So gibt es etwas zu gucken, wenn Leute auf den Bus warten. Ein Schild könnte Infos dazu geben.

Schleiereulen und andere Vögel
Wir verlassen den Totholzhaufen und wenden uns der Scheune zu. Robert Muri zeigt uns im Gibel die Öffnung für die Turmfalken. Er erzählt, dass es auch Schleiereulen hat. Vor Jahren hatten diese drei Junge. Er konnte die Aufzucht täglich beobachten. Leider
starb ein Jungvogel. Robert hat ihn als Andenken ausstopfen lassen. Schleiereulen jagen auch im Stall nach Mäusen, während die vielen Schwalben sich um die Fliegen kümmern. Wir schauen uns um. An vielen Bäumen sind unterschiedliche Nistkästen angebracht. Da braucht es unseren Rat nicht mehr.
Letzte Station – abgebrochenes Hühnergehege
Steine, Brennnesseln, Immergrün, … da war einmal ein Hühnergehege. Da lässt sich viel daraus entwickeln, der Boden ist sehr fruchtbar wegen des Hühnermists: Wildstauden pflanzen, eine Asttriste (stabilisierter Asthaufen) an die Wand schichten, einen kleinen Teich ausheben, stehendes Totholz eingraben, Flächen mit Bienensand bestreuen, einige offen blühende Rosen pflanzen, Kletterpflanzen an den Zaun und nicht zuletzt, ein Bänkli zum Höckeln und geniessen.

Was wir auch noch gesehen und besprochen haben
- Offene Flächen offenlassen – für Wildbienen,
die meisten leben im Boden - Brennnesseln stehen lassen, oder nur wo
unbedingt nötig schneiden (ideal für Kompost). - Sie haben einen sehr hohen ökologischen Wert, zum Beispiel für die Schmetterlinge Tagpfauenauge, Kleiner Fuchs, das Landkärtchen.
- Grasflächen stehen lassen, es können auch
einfach Inseln in einer gemähten Fläche sein. - Holzbeigen so aufschichten, dass Igel darunter
kriechen können. - Käferburgen können mit anfallenden Hartholz-
schnipseln aufgeschichtet werden.
Vielen Dank für den Link, die Zeit, die Beratung und die vielen Tipps. Mit eurer Beratung habe ich mir neue Ideen und Massnahmen erhofft und vollumfänglich erhalten. Jetzt geht’s an die Planung und später an die Umsetzung. Robert Muri
Biodiversität im Siedlungsraum, ein Projekt der Albert Köchlin Stiftung
Das Projekt (G)Artenvielfalt Innerschweiz legt den Fokus auf die Förderung der Biodiversität im Siedlungsraum. Mit dem Ziel, Innerschweizerinnen und Innerschweizer zu motivieren, selbst Hand anzulegen: im eigenen Garten, auf der Dachterrasse oder dem Balkon. Selbst auf kleinsten Flächen lassen sich wertvolle Effekte erzielen, die zu sogenannten grünen Netzen beitragen, wovon zahlreiche Arten profitieren. Für die Umsetzung des Projekts wurden in der ganzen Innerschweiz G(A)rtencoaches ausgebildet. Die (G)Artencoaches für Schenkon und die umliegenden Gemeinden sind Roger Eggerschwiler und Marianne Steiner.
Anmeldung für ein Coaching und Links
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- Originalartikel im KONTAKT Schenkon, Seiten 14/15