Sonntagsausflug klassisch

Sonntagsauflug klassisch, eine meiner Geschichten, hat es in die Dokumentation Fokus Linn geschafft, auf Seite 29. Ich bin richtig stolz darauf.

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Mich interessiert der Alltag. Er ist üppig, reichhaltig, voller Details. Ein Schatz an Geschichten.

Katzen in Zeit & Raum

Obwohl wir gestern eine lange Velotour über Hügel und Täler gemacht haben, konnten wir nur zwei Katzen zählen, was aussergewöhnlich wenig ist. Heute wissen wir warum: Gestern war internationaler Katzentag! Die Viecher waren wohl alle am Feiern.

Wir zählen Katzen und dies seit Jahren. Wir nummerieren sie durch. Was als Spass anfing, ist mittlerweile zu einer philosophischen Lust mit grossem emotionalen Gewinn geworden. Bewegung in Zeit und Raum mit einem Kriterium: Anzahl lebendige Katzen pro Tag!

Zeit & Raum

Katzen sind zu bestimmten Tageszeiten unterwegs, wobei auch die Jahreszeit und das Wetter eine Rolle spielen. Man kann unterwegs sein und das Gefühl haben, es gebe gar keine Katzen. Zwei Tage später fährt man am gleichen Ort vorbei und zählt vierundzwanzig Stück. Die Wirklichkeit ist abhängig von Zeit und Raum!

Morgens um 09.00 Uhr ist eine katzenarme Zeit. Um den Mittag sieht man sie auf Bänklein vor Häusern liegen. Gegen 17.00 Uhr schleichen sie sich verschlafen auf die Felder. Wenn der Bauer in den Stall geht, streunen sie um die herumliegenden Futternäpfe herum. Bei Sonnenuntergang und frühmorgens lassen sie ihre Pfoten von Fenstersimsen baumeln.

Meilenstein & Struktur

Katzen werden zu Meilensteinen, die unsere Streifzüge und Wege strukturieren: Ich möchte am Brunnen, beim Tiger im Blumenkistli, meine Wasserflasche auffüllen!

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oder: Nehmen wir den Weg, wo es im Herbst zwölf Katzen hatte, die vom Bauer gefüttert wurden oder fahren wir beim Wohnwagen mit der schwarzweissen Katze vorbei ?

Wiedererkennung & Vertrautheit

Die Katze ist zwei Wochen später nicht mehr im Blumenkistli, sondern auf der Treppe im Hauseingang. Das erste mal war sie die Nummer vier, diesmal die Nummer drei. Beim Hauseingang entdecken wir einen kleinen Kinderschubkarren mit einer Minigiesskanne drin. Im Hausgang hören wir eine Kinderstimme und ein Kleinkind mit seinem Vater kommt raus. Das letzte mal standen mehrere normale Giesskannen da, der kleine Schubkarren daneben und die Jasmintrompete war noch nicht in voller Blust.

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Aufmerksamkeit & Beobachtung

Das Katzenzählen erhöht unsere Aufmerksamkeit. Wir lassen unsere Blicke suchend schweifen und finden natürlich weit mehr als die Katzen. Egal ob Stadt oder Land, wir entdecken Details, die uns sonst entgehen würden. Das Unauffällige, Alltägliche und Normale wird oft neu von uns gesehen. Indem wir zu zweit sind und darüber reden und lachen, wird es teilbar und somit fassbarer und wirklicher. Katzenzählen hilft, sich Umgebung vertraut zu machen! Daraus erwächst eine Art Liebe oder Bindung, zum dem, was am Weg ist.

Kategorien & Nummern

Wir geben den Katzen Nummern. Die erste, die wir sehen, ist die Nummer eins, das ist klar und eben so klar geht es weiter. Es kann sein, dass wir eine Katze immer wieder erkennen. Je nachdem hat sie eine andere Nummer. Auf dem Weg ins Wauwiler Moos hat es eine langhaarige, gelbliche Katze, die oft die Nummer eins ist. Die scheint stundenlang auf demselben Feld zu hocken oder auf diesem herum zu spazieren.

Wird eine Nummer vergeben, erwähnen wir auch immer die Farbe und Zeichnung ihrer Felle, sowie den Kontext, in dem sie sich befinden: siebzehn, tricolor! Dort, Nummer einundzwangig, schwarz, kommt sehr gut im kräftigen Grün! Nummer acht, auf dem Fenstersims, natürlich ein Tiger, die wissen, wie dekorativ sie von einem Fenster gerahmt werden!

Es kommt vor, dass es Häufungen von Mustern und Farben gibt. So gab es im Kirchbühl lange vorwiegend Tiger. Heute, Jahre später, sind es eher Schwarzweisse, die dort hausen, zusammen mit Tricoloren. Es hat dort nun seit einigen Jahren ein Trampolin. Zur Zeit der Tiger gab es das nicht.

Es kommt gelegentlich auch vor, dass Populationen aussterben. So fanden wir einmal um einem Hof herum viele Katzen vor, die sehr krank aussahen. Monate später waren sie wie vom Erdboden verschluckt. 

Regeln & Ausnahmen

Die kleine, schwarzweisse verschwindet mit einem Satz ins Kornfeld, als wir auftauchen. Wir sehen sie nur ganz schnell, es ist jedoch klar, es ist eine Katze und die zählt. Oft verwechseln wir Kabelrollen, Steine, Raubvögel oder Krähen mit Katzen. Gezählt wird nur, was über jeden Zweifel erhaben ist. Da sind wir streng. Optimal ist, wenn wir beide das Tier sehen, es muss aber nicht so sein. 

Wir vermeiden es, Katzen zweimal zu zählen. Wenn wir also auf dem Rückweg am gleichen Ort vorbeifahren, zählen wir nur die, die wir noch nicht gesehen haben. Ist manchmal nicht ganz einfach. Unsere zwei Katzen dürfen wir ebenfalls nicht mitrechnen, nicht einmal zum Aufrunden.

Tote Katzen werden ebenso wenig wie Gips- oder Keramikkatzen gezählt. Sie müssen lebendig sein. Wir schauen jedoch nicht nach, wenn eine wie tot auf einem Vorplatz liegt. Damit hätten wir zuviel Arbeit, weil es für Katzen artgerecht ist, wie tot herum zu liegen.

Wenn die Katzen auf den Feldern sind, sieht man meistens nur Ohren, Rücken und Schwänze. Das genügt, um gezählt zu werden. Wenn sie vor uns fliehen, kann es sein, dass wir nur noch den Schwanz und die Hinterläufe in einem Scheunentor schwinden sehen. Ist auch ok, wird verrechnet.

Katzenzählen ist eine ernsthafte Sache! Wir wären bald in der Lage, ein Katzen Kataster zu erstellen.

Samstag, 09. August 2014

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3 Kommentar

  1. Sabina

    12th Aug 2014 - 21:43

    ich glaube, das fang ich jetzt auch an, im Sinne von back to the roots, meine Katzenliebe aus der Kindheit wieder zurückgewinnen, …

  2. Stöckli Ursula

    29th Aug 2014 - 22:29

    Ist ja toll, dass Lulu euch begleitet hat! Werde ich ihr heute abend gleich erzählen!
    Lieber Gruss. Ursula

  3. marystone

    30th Aug 2014 - 8:47

    Immer wieder Lulu, jetzt, wo wir sie sogar direkt bei ihrem Namen ansprechen können!

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